Sanierung Bühnen Köln

Die Kölner Oper am Offenbachplatz ist ein Sinnbild für das Wiedererwachen des Kölner Kulturlebens im Jahr 1957 aus den Trümmern des Krieges. Die Sanierung soll nach einer zwischenzeitlich Planungs- und Bauunterbrechung nun voraussichtlich 2023 abgeschlossen werden.

Auftraggeber:
Bühnen der Stadt Köln

Architekt:
Bestand: Wilhelm Riphahn, Köln
Sanierung: ARGE HPP-TPD

Ausführungszeitraum:
ab 2010

Baukosten gesamt:
(netto)
240,0 Mio. EUR

Baukostenanteil theapro:
(netto)
49,8 Mio. EUR
AR 6,0 Mio. EUR
BB 8,0 Mio. EUR
BT 28,7 Mio. EUR
MT 7,1 Mio. EUR

Projektleitung theapro:
Reinhold Daberto
Jens Höpfner
Sabine Netter

Fertigstellung:
2023

 

Leistungen theapro:
Bühnentechnik
Bühnenbeleuchtung
Ton- & Medientechnik
Theaterarchitektur
Machbarkeitsstudie
Interimsspielstätten

Die 1957 eröffnete Kölner Oper (OH) wurde vom Kölner Architekten Wilhelm Riphahn entworfen. Sie steht als Gebäude und wegen ihrer städtebaulichen Position am neu entstandenen Offenbachplatz als ein Sinnbild für das Wiedererwachen des Kölner Kulturlebens aus den Trümmern des Krieges. Um den Standort Offenbachplatz herum befanden sich die alte Synagoge oder das im 2. Weltkrieg beschädigte frühere Schauspielhaus.

Bereits 1959 erfolgte eine Erweiterung mit einem Restaurantgebäude, den sogenannten Opernterrassen (OT)

Ein Schauspielhaus (SH) wurde 1962 dem Opernhaus zur Seite gestellt. Das Gesamtensemble steht unter Denkmalschutz.

 

Projekthistorie

Nach langen Debatten und Überlegungen bezüglich eines kompletten Neubaus, entschloss sich Köln zur Sanierung des Opernhauses und zum Neubau eines Schauspielhauses.

Ziel der Sanierung war, dem Nutzer ein Gebäude an die Hand zu geben, welches sich für die kommenden Jahrzehnte unter den gegenwärtigen und vorhersehbaren Betriebsbedingungen als gut nutzbar herausstellt.

Es sollte das Publikum anziehen und einen lebendigen Ort der Kultur im zentralen Innenstadtbereich entstehen lassen.

Weiterhin sollten die ausgelagerten Werkstätten und Proberäume für den Bühnenbetrieb und das Orchester an den Offenbachplatz zurückgeholt werden.

Ein in 2008 ausgelobter und abgeschlossener Wettbewerb zu Sanierung und Neubau ergab ein durchaus verfolgenswertes Siegerprojekt, welches die Projektziele nachweisen konnte und darüber hinaus Köln einen neuen Platz, den „Operngarten“ bescheren würde. Das Projekt war mit 240 Mio. Euro budgetiert, nach dem Vorentwurf wurden jedoch ca. 350 Mio. Euro testiert.

Die Versuche das Projekt wieder in den Zielkorridor von deutlich weniger als 300 Mio. Euro zu bringen ging mit erheblichen Verlusten in Funktion und Qualität einher. Die Wiedereingliederung der Werkstätten, die Schaffung von Probebühnen für Ballett, Oper und Bühnen am zentralen Ort mussten aufgegeben werden um ein Projektziel von ca. 280 Mio. Euro zu erreichen.

 

Stillstand und Neubeginn

Die emotionale Mitwirkung von Teilen der Mitarbeiter der Bühnen Köln an  einer Bürgerinitiative brachte das Projekt zunächst zum Stillstand. Konkret war hierbei formuliert, dass die erreichbaren Qualitäten des Projektes nicht rechtfertigen würden, innerhalb des als Ensemble geschützten Bühnenkomplexes, das Schauspielhaus abzureißen.

Für ein solches Votum gelang es der Initiative mehr als 20.000 Stimmen zu sammeln. Die Vorgänge im Jahre 2010 fielen in den Zeitraum des Einsturzes des Kölner Stadtarchives.

Der Verwaltung blieben nun zwei Möglichkeiten: Entweder das Ursprungsprojekt gegen den Willen eines Teiles der Bürgerschaft durchsetzen oder der Bürgerinitiative beitreten. Dadurch wurden immerhin rund 1 Million EUR eingespart, welche für ein Bürgerbegehren angefallen wären.

Dennoch stand das Projekt ‚Bühnen Köln‘ nach einer mehr als 10 Jahre dauernden Diskussion wieder am Anfang – und das ohne politische Beschlüsse oder Zielvorstellungen.

 

Machbarkeitsstudie theapro 2010

theapro wurde von der Gebäudewirtschaft Köln im April 2010 beauftragt eine Machbarkeitsstudie zu nachstehenden Fragestellungen zu erstellen und bis Oktober 2010 beschlussreif vorzulegen. Die Vertreter der Bürgerinitiative sollten im Rahmen eines Round Tables in den Entstehungsprozess mit eingebunden werden.

Die Hauptfragestellungen und Vorgaben lagen innerhalb zweier vordefinierter Varianten (V6 und V7) vor:

Erhalt von Opern- und Schauspielhaus

  • Umfassende bauliche Sanierung der Gebäude
  • Gemeinsame Anlieferung für Oper und Schauspiel
  • Komplette Erneuerung der technischen Einbauten (Bühnen- und Gebäudetechnik)
  • Verbesserung der Akustik in den vorhandenen Spielstätten
  • Optimierung der Arbeitsbedingungen

Für beide Varianten wurden als Aufgabenstellung für die Machbarkeitsstudie folgende Vorgaben hinsichtlich der zu untersuchenden zeitlichen Abläufe gemacht:

  • Aufstellung eines Zeit-Maßnahmen-Plans unter Berücksichtigung aller Planungs-, Genehmigungs-, Vergabe- und Ausführungsfristen
  • Feststellung des möglichen Baubeginns
  • Bewertung eines beschleunigten Bauablaufs
  • Untersuchung der Möglichkeit einer stufenweisen Inbetriebnahme
  • Möglichst kurze Interimszeit für Oper und Schauspiel

Das beinhaltet zum Beispiel den Verzicht auf bestimmte Raumhöhen, aber auch Flächenanforderungen, welche noch Vorgabe des Wettbewerbsraumprogrammes waren.

Neben diesen globalen modellhaften Ansätzen formulierten die Bühnen in Ergänzung hierzu qualitative Mindestanforderungen:

  • Die Anlieferung der Kulissen ins Schauspielhaus und ins Opernhaus sollte ohne gegenseitige Störung der jeweiligen Transportwege des SH und des OH möglich werden
  • Für das SH sollte eine Vorbereitungs- und Vorbaufläche von mindestens 6 m lichter Höhe geschaffen werden
  • Von dieser Vorbereitungsfläche sollte ein Transportzugang zu einem Kulissenlager mit 6 m Durchfahrtshöhe für das SH geschaffen werden.
  • Das Kulissenlager SH soll eine Mindesthöhe (in Teilbereichen) von 6 m aufweisen
  • Realisierung eines notwendigen Raumprogrammes mit verbesserten Arbeitsbedingungen
  • Erneuerung der Bühnenmaschinerie SH und OH muss vorgesehen werden
  • Im Zuschauerraum des SH sollte eine variable Nutzung des Hochparketts möglich werden, (Verkleinerungsmöglichkeit des Zuschauerraumes durch eine temporäre Abtrennung)
  • Grundanforderung sollte weiter die Verbesserung der Akustik SH und OH sein
  • Für das OH sollte die Erweiterung des Orchestergrabens realisiert werden.
  • Die Opernterrassen sollten saniert und darin die dem Schauspiel zugeordnete Studiobühne integriert werden.
  • Es sollte ein Nachweis geführt werden, ob die Kinderoper (KO) im Komplex am Offenbachplatz integriert werden könne, oder ob für die KO eine Lösung an anderer Stelle zu finden sei.

Projektfortgang

Seit der Beschlussfassung des Rates der Stadt Köln sind die Bühnen im Planungs- und Ausführungsprozess mit dem Ziel einer Wiedereröffnung/Bereitstellung für den Bühnenbetrieb Mitte 2015.

Opernhaus (OH) und Schauspielhaus (SH) werden derzeit einer ´umfassenden Bestandssanierung‘ nach den mit der Theaterleitung abgestimmten Vorgaben unterzogen.

Die Machbarkeitsstudie erwies sich hierbei als solide und tragfähige Grundlage.

Die zur Ausführung beschlossene Variante V6 operiert sehr stark vom Gebäudebestand aus.

Die Foyerbereiche und Zuschauerräume von Opern- und Schauspielhaus bleiben mit ihren Erschließungen (Lage, Vertikalerschließungen etc.) erhalten. Barrierefreiheit wird künftig im gesamten Gebäude geben sein.  Der Zuschauerraum der Oper mit seinen Decke- und Wandverkleidungen wird unter den Vorgaben des Denkmalschutzes restauriert.

Für die Zuschauerräume selbst sind die geforderten akustischen Verbesserungen vorgesehen. Hierfür ist die Neugestaltung der Decken und Wände im Schauspielhaus unter Berücksichtigung der Gestaltungsprinzipien Riphahns erforderlich.

Die Kinderoper konnte in die Gesamtanlage integriert werden. Ferner erhält das Schauspiel mit den Opernterrassen eine neue Studiospielstätte. Verbessert wird die theaterbetriebliche Situation durch die Modifikation der internen Wegeführungen und die Zusammenfassung von Raumgruppen.

Der bestehende Raummangel wird durch eine Überbauung des Betriebshofes im 2. OG in weiten Teilen gelöst. Zentraler Lösungsausgangspunkt für die Variante V6 ist die gemeinsame Anlieferung für OH und SH ohne gegenseitige betriebliche Störung. Die gesamte Haus- und Bühnentechnik wird erneuert.

Bühnentechnik – Auf historischen Spuren

Als Köln das Ensemble 1952 bis 1962  am Offenbachplatz errichtete, sicherten sich die Stadt und der Architekt Wilhelm Riphahn die besten Kräfte ihrer Zeit. Für die Planung der Theatertechnik war dies Walther Unruh, der zur Zeit des Wiederaufbaus der im Krieg zerstörten Theater einer der führenden Planer war. In Köln konnte er lediglich eine Rumpfanlage hinterlassen. So wurde im Opernhaus eine Podienanlage, welche erst in einem zweiten Bauabschnitt Antriebe erhalten sollte, angelegt. Dieser zweite Bauabschnitt fand jedoch nie statt, sodass erst die jetzt anstehende Sanierung die Ideen Walther Unruhs vollenden kann.

Bühnentechnik im Detail – gemeinsame Prinzipien Oper und Schauspiel.

Bei der Konzeption der bühnentechnischen Lösungen sollten einerseits die besonderen Anforderungen der Sparten Berücksichtigung finden, andererseits jedoch auch gemeinsame Lösungen gefunden werden um die Betreibbarkeit und Ersatzteilkompatibilität zu sichern.

Beide Häuser wurden im Bühnenbereich komplett entkernt und erhalten einen neu gestalteten bühnentechnischen Stahlbau.

Dieser wurde an die verstärkten Fachwerksbinder angehängt, da die Dächer – aus Zeitersparnis beim Bau – nicht geöffnet wurden.

Beide Häuser erhalten eine gemeinsame hydraulische Druckstation zum Betrieb der Untermaschinerien. Die Entscheidung hierfür ist durch eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gefallen, da diese Technik in Verbindung mit Druckspeichern die erforderliche elektrische Anschlussleistung drastisch reduziert. (Stimmt dieser Satz inhaltlich?)

Bisherige Handantriebe werden durch elektrische Antriebe ersetzt. So erhalten beide großen Häuser –  Oper und Schauspiel – einen in Gänze elektrifizierten Schnürboden mit Prospekt-, Punkt- und Oberlichtzügen.

Im Opernhaus werden pro Seite 3 Galeriegerüsttürme an den unteren Arbeitsgalerien vorgesehen. Diese sind fahrbar, um ein Gassenlicht für das Ballett bilden zu können.

Auf den Schnürböden beider Häuser sind verschiebbare Punktzüge geplant. Im Opernhaus fahren diese bei einer Nutzlast von 450 kg auf Fahrbalken in die Bühnentiefe. Quer dazu fahrendie Punktzüge mit einer Nutzlastvon  250 kg frei auf der Gitterrostebene.

Die Oberlichter sind dreigeteilt, für das Schauspielhaus werden zusätzlich mobile Oberlichtriggs vorgesehen, die in dafür reservierten Fächern des Prospektlagerpodiums gelagert werden können.

Auch die kleinen Häuser werden so mit elektrischen Zügen ausgestattet, wenn gleich der hohe Verwandlungsschnürboden hier fehlt.

Beide große Häuser erhalten jeweils ein Wagenbühnensystem und Drehscheiben. Die Wagen werden durch Schubketten angetrieben, um auch Horizontalfahrten ohne Bühnenwagen und mit nur beweglicher Dekoration wählen zu können.

Opernhaus

Im Opernhaus wird eine Bühnenuntermaschinerie realisiert werden, die Elemente von Walter Unruhs „Unvollendeter“ aufgreift und zeitgemäß interpretiert. Sie operiert, und das ist eine besondere Herausforderung, in einem extrem begrenzten Einbauraum von 16,40 m Breite bei Podienmaßen von 16,0 m x 3,0 m.

Mit zwei selbständig fahrbaren Ebenen werden fünf hintereinander geschichete, in den hinteren Bereichen mit Schleppböden ausgebildete Podien, neue, bisher in Köln nicht machbare Bühneneinrichtungen ermöglichen. Integriert sind jeweils 7 Versenkungsklappen, davon 5 in Reihe verbindbar.

Hinter den 5 Bühnenpodien gibt es 2 Prospekthubpodien mit 20 m Breite.Für Wagenfahrten können seitliche Elemente abgekoppelt werden, um die Fahrspur für die 16 m breiten Wagen frei zu geben.

Auf der Hinterbühne sind Ausgleichspodien zum Absenken des Drehscheibenwagens konzipiert.

Zudem wird ein in seiner Größe variabler dreigeteilter Orchestergraben auch größte Besetzungen wie bei Strauss und Wagner ermöglichen. Teilweise sind diese 3 Podien als Doppelstock ausgeführt. Die Begrenzung zum Zuschauerraum bildet eine Steckbrüstung. Die Antriebe im Orchestergraben sind elektrisch konzipiert.

Schauspielhaus

Das Schauspielhaus wird als Bühne ein Podiensystem, welches auf die unterschiedlich einstellbaren Portalbreiten reagiert, enthalten. Hierzu wird in 14m breite Podien ein 10 m breites Sekundärpodium integriert. Die Podientiefe bei BP 1 – 4 beträgt 3 m.

Das Schauspielhaus erhält nur 1 Prospekthubpodium.

Auf der Hinterbühne sind auch im Schauspielhaus Ausgleichspodien zum Absenken des Drehscheibenwagens konzipiert.

Der Orchestergraben ist elektrisch und für Schauspielmusiken mit ca. 30 Musikern klein gehalten.

Zudem wird eine bespielbare Vorbühne mit 6 Podien geschaffen, um damit den räumlichen Zwang des Guckkastens trotz der Vorgabe des Arbeitens mit der vorhandenen Bausubstanz überwinden zu können und das Bühnengeschehen näher an das Publikum heranzubringen. Über diese Vorbühnenpodien werden Stuhlwagen in ein Tieflager transportiert.

Durch eine Reduzierung des Raumvolumens und eine veränderte, mit dem Denkmalschutz abgestimmte, Faltung der Wand- und Deckenflächen wird die Akustik des Saales durch ein Gesamtmaßnahmenbündel um die bühnentechnischen Einbauten herum zudem entscheidend verbessert.

Kinderoper

Hier werden elektrische Prospektzüge zwischen den Betonbindern des Bühnenraumes integriert. Im Vorbühnenbereich sind zwei Züge vor der Zuschauerraumbeleuchterbrücke vorhanden.

In jedem Binderfeld ist eine Kettenzugschiene für quer zur Bühne fahrbare Kettenzüge vorhanden.

Die Arbeitsgalerien erhalten Schienen für die Befestigung von Beleuchtungsgeräten, um dem architektonischen Anspruch, den Bühnenraum ohne störende technische Einbauten auch offen zeigen zu können, gerecht zu werden.

Der Bühnenboden wird aus Aluminiumzargen mit 1,0 m Tiefe und unterschiedlicher Modulbreite aus den Anschaffungen für das Interim gebildet, welche in ihrer Höhe manuell verändert werden können.

Im Vorbühnenbereich ist ein Orchesterpodium vorhanden, welches bis auf das Bühnenniveau angehoben werden kann. Den Übergang zu den Aluminiumzargen bildet eine Stahlkonstruktion.

Studiobühne kleines Haus in den Opernterrassen

Das Studio ist als Raumbühne ohne eigenen Bühnenraum konzipiert. Auch hier werden wie in der Kinderoper elektrische Laststangenzüge zwischen den Betonbindern des Bühnenraumes integriert. Sie dienen vorwiegend der Hängung von Beleuchtung, da in dieser Studiobühne vorwiegend mit stehender Dekoration gerechnet wird.

Die in Zügen hängenden Scheinwerfer können bei konventionellem Licht von einer in gesamter Raumtiefe fahrbaren Arbeitsbrücke aus eingerichtet werden.

In jedem Binderfeld wird eine Kettenzugschiene für quer zur Bühne fahrbare Kettenzüge vorhanden sein. Die Installationen sind hoch integriert, zu den bühnentechnischen Einrichtungen müssen auch Kühldeckenelemente integriert werden. (Semantik)

Die umlaufenden Arbeitsgalerien erhalten steckbare Geländer, um von hier auch Treppenauftritte oder ähnliches gestalten zu können.

Der ebene Zuschauerraum enthält einen ganzflächigen Bühnenboden. In einem Teil des Raumes wird ein modular gestalteter Bereich aus Aluminiumzargen mit 1,0 m Tiefe und unterschiedlicher Modulbreite,welche in ihrer Höhe manuell verändert werden können, gebildet.