Kulturpalast Dresden

Der neue Kulturpalast Dresden ist das bedeutendste Konzert- und Veranstaltungsgebäude der sächsischen Landeshauptstadt. Der Konzertsaal ist das Herzstück des kulturellen Zentrums, das unterschiedliche Nutzungsarten unter einem Dach vereint.

Auftraggeber:
Kommunale Immobilien Dresden GmbH & Co KG (KID)

Architekt:
gmp, Berlin

Ausführungszeitraum:
2010 – 2017

Baukosten gesamt:
(netto)

81,5 Mio. EUR (inkl. Baunebenkosten)

Baukostenanteil theapro:
(netto)
5,2 Mio. EUR
BB 1,2 Mio. EUR
BT 2,7 Mio. EUR
MT 1,3 Mio. EUR

Projektleitung theapro:
Jörg Lilleike

Fertigstellung:
2017

Leistungen theapro:
Bühnenbeleuchtung
Bühnentechnik
Ton- & Medientechnik

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Der von den Dresdnern fast liebevoll „Kulti“ genannte alte Kulturpalast war und ist eine Ikone der DDR-Architektur – auch wenn er nach der Ersteröffnung 1969 akustisch nicht überzeugen konnte. Doch das hat sich grundlegend geändert: Der Umbau wurde vom Dresdner Stadtrat im Jahr 2008 beschlossen und von gmp-Architekten als Gewinner des Wettbewerbs umgesetzt.

 

Theaterarchitektur

Das Kernstück des alten Kulturpalasts war der zentral gelegene, bienenwabenförmige Festsaal, der vom quaderförmigen Gebäudekomplex des Palasts mit seinen verschiedenen Nutzungseinheiten umschlossen wird. Den oberen Abschluss des Saals bildet das weithin sichtbare, gefaltete Kupferdach. Die Dresdner Philharmonie erhielt im Kulturpalast eine neue Heimstätte. Kurt Masur, der von 1955 an auch Dirigent der Dresdner Philharmoniker war, bezeichnete das Haus einst als Geschenk. „Die Dresdner Philharmonie wird alles dafür tun, dass dieser herrliche Bau den Ruf der Kunststadt und damit unserer Republik weiter festigen hilft“, schrieb Masur ins Gästebuch.

Im Jahr 2008 wurde der Umbau des Kulturpalasts durch den Stadtrat beschlossen, fast zeitgleich wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

 

Ton- und Medientechnik

Eine weitere wichtige Aufgabe bei der Planung der Veranstaltungstechnik war es, diese möglichst unauffällig  in die anspruchsvolle Innenarchitektur des neuen Konzertsaals einzubetten – und dabei die volle Funktion zu gewährleisten. Weder gmp noch theapro konnten hier mit einem Kompromiss leben, der entweder Form oder Funktion vernachlässigt. Daher mussten immer wieder Lösungen gefunden werden, die beides zusammenbringen. Im Bereich der Bühne (und damit der Untermaschinerie) war die Einbindung in die Innenarchitektur relativ unproblematisch, da hier lediglich zu beachten war, dass Bühnenboden, Blenden, Geländer und Praktikabeln in derselben Materialität ausgeführt werden wie der Rest des Saals. Zudem weisen alle Bauteile – hier sei z.B. auf die Ausführung von Versatz- und Medienkastendeckeln hingewiesen – eine hohe Verarbeitungsqualität auf. Problematischer war dies im Bereich der Obermaschinerie, in dem die Decke an vielen Stellen von Seil- und Kettenzugabgängen durchdrungen wird und die Anordnung der dafür notwendigen Tüllen sowohl den Anforderungen der Bühnentechnik als auch denen der Deckengestaltung gerecht werden musste. Hier wurde, auch ausgelöst durch mehrfache Überarbeitung und Verbesserung der Decke, um manchen Punkt gerungen. Außerdem mussten die Forderungen der Raum- und Bauakustik erfüllt werden, was die Ausführung der Deckendurchdringungen nochmals verkomplizierte.

 

Bühnentechnik

Anders als in Theaterräumen wird die Bühnentechnik in Konzertsälen schnell Gegenstand der Innenraumgestaltung. Sämtliche Bühnentechnik musste daher sehr detailliert mit dem Architekten, den übrigen Planungsbeteiligten, dem Raumakustiker und dem Nutzer und dem Bauherrn abgestimmt werden. So wurde beispielsweise die Podienkontur in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro für Raumakustik Peutz Consult GmbH und den Dresdner Philharmonikern erarbeitet. Die Sicherheitstechnik wurde in Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden, den abnehmenden Sachverständigen und den Verantwortlichen für den Brandschutz entwickelt. Decke und Podien sowie das zugehörige mobile Equipment (Praktikabeln, Anstelltreppen und -stufen) wurde mit gpm-Architekten so abgestimmt, dass die funktionale und die architektonische Ebene miteinander harmonieren.

Die bühnentechnischen Einrichtungen des Konzertsaals gliedern sich in drei Anlagenteile:

  • Die Untermaschinerie Podienanlage, bestehend aus 10 Bühnenpodien, die halbkreisförmig, in der Tiefe gestaffelt angeordnet sind. Zur Untermaschinerie zählt sämtliches mobiles Equipment, wie Anstelltreppen, -stufen, -podeste und Praktikabeln, die zur Podienerweiterung notwendig sind sowie die Geländer und die zur Lagerung notwendigen Wagen.

 

  • Die Obermaschinerie umfasst eine KEZ-Schienenanlage, mittels der die 12 vorhandenen Kettenzüge über den einzelnen Abgangspunkten in der Saaldecke verfahren werden können; die Maschinenzüge für den Stoffaushang zur Herstellung eines Bühnenzimmers, das Gegenlichtrigg und die Filmleinwand.

 

  • Die Sicherheitstechnik 2 Plafondwinden, die den Plafond im Fall einer Auslösung der Sprühflut in die oberste Position fahren; sämtliche Deckenklappen, die im Brandfall auch für den Rauchabzug genutzt werden und die Winde für den zentralen LSP-Cluster, der für Sprachdurchsagen, aber auch zur Alarmierung, durch eine weitere Klappe aus der Saaldecke gefahren werden kann.

 

Untermaschinerie für klassische Konzerte

Das Konzertpodium mit einer Gesamtfläche von 212 m² muss vor allem die unterschiedlichen Orchesterformationen gut aufnehmen können. Entsprechend der Abstrahlcharakteristik der Instrumente muss eine Höhenstaffelung der Stimmen und Instrumentengruppen möglichen sein, die auch die gute Sichtbeziehung der Musiker zum Dirigenten herstellt und auf unterschiedlichste Aufstellungen reagieren kann. Orchesteraufstellungen sind nicht festgeschrieben, sondern werden von den musikalischen Leitern entsprechend der gegebenen akustischen Verhältnisse in einem Konzertsaal, aber auch der Stückanforderungen oder der akustischen Klangabsichten, variiert. Bekannte Grundmuster sind etwa die deutsche, die amerikanische oder die Wiener Orchesteraufstellung.

 

Orchestersitzproben

Im Vorentwurf wurden zwei Varianten für das Konzertpodium favorisiert: Eine gerade, an die Bühnenwände angepasste Podiengeometrie (diese versprach gerade für U-Musikveranstaltungen eine bessere Nutzbarkeit) und eine gerundete Ausbildung, wie sie momentan in vielen Konzertsälen ausgeführt wird. Natürlich hat die Konzertnutzung Vorrang zu genießen. Um die Podiengeometrie zur Zufriedenheit der Philharmonie festzulegen wurde auf Vorschlag von theapro eine Sitzprobe durchgeführt. Diese wurde mit zusammen mit dem Akustikplaner Peutz Consult GmbH vorbereitet und mit den Dresdner Philharmonikern umgesetzt. Die beiden zur Auswahl stehenden Varianten wurden auf der alten Bühne des Kulturpalasts mittels Klebeband markiert und das Orchester entsprechend jeder Variante aufgestellt. Beim Spielen konnten die Musiker feststellen, wie die Sicht- und Hörbeziehungen der einzelnen Musiker und Orchestergruppen untereinander und zum Dirigenten zu beurteilen sind. Nach der Durchführung der zur Auswahl stehenden Orchesteraufstellungen wurde ein

Fragebogen mit den folgenden Inhalten an die Musiker verteilt:

  1. Platzverhältnisse
  2. Kontakt zum Dirigenten
  3. Kontakt zur eigenen Instrumentengruppe
  4. Kontakt zu anderen Instrumentengruppen
  5. bevorzugte Variante

Von den 73 Musikern entschieden sich insgesamt 44 für die halbrunde Geometrie der Podienanlage. Dabei wurden sowohl die Platzverhältnisse, als auch der Kontakt zur eigenen Instrumentengruppe und zu anderen Instrumentengruppen positiver beurteilt als bei der trapezförmigen Anordnung.

Die Statistik zeigt, dass vor allem die Streicher die um den Dirigenten als geometrischem Mittelpunkt ausgerichtete zirkulare Aufstellung bevorzugen. Die Blechbläser hätten gerne gerade (?) gesessen. Das Ergebnis bestätigt jedoch den internationalen Trend der zirkulären Aufstellung. Im Rahmen einer zweiten Sitzprobe wurde die halbkreisförmige Geometrie variiert und verschiedene Orchesteraufstellungen auf Kompatibilität mit der Geometrie untersucht.

Obermaschinerie für Unterhaltungsveranstaltungen

Da der Konzertsaal auch für Veranstaltungen der U-Musik genutzt wird, wurde die Planung der Obermaschinerie darauf abgestimmt, die Bühne in verschiedenen Varianten einzurichten. Ein Augenmerk wurde auf die Schaffung eines Bühnenzimmers gelegt, so dass der Eindruck eines technischen Portals entsteht. Ermöglich wird die Variabilität der Bühne durch Zugstangen parallel zu den Seiten- und Rückwänden der Bühne sowie durch einen Zug, der dazu dient, die Zuschauerbereiche seitlich der Bühne mit Soffitten abzuhängen. Ferner sind Kettenzugachsen mit Hängepunkten über der gesamten Bühne und im Vorbühnenbereich vorhanden, die es ermöglichen, Riggs für die Beleuchtung oder Pre-Riggs von Tourveranstaltern zu hängen. Die Elektrifizierung der Riggs erfolgt ebenfalls durch die Tüllen. Dazu sind auf der gesamten Gitterostebene Versatzkästen für Beleuchtungs- und Signalanschlüsse verteilt.