Tagungssaal Deutsche Bundesbank München

Dank der raumakustischen Sanierung und der technischen Ausbesserung der Medien- und Konferenztechnik sowie der Referenten- und Podiumsbeleuchtung, kann der Tagungssaal nun wieder im vollen Umfang genutzt werden.

Auftraggeber:
Deutsche Bundesbank

Architekt:
Scholz Sorger Architekten

Ausführungszeitraum:
2015 – 2017

Baukosten gesamt:
(netto)
ca. 1,7 Mio. EUR

Baukostenanteil theapro:
(netto)

MT 300.890 EUR

Projektleitung theapro:
Alexandra Leutheuser

Fertigstellung:
2017

Leistungen theapro:
Bühnenbeleuchtung
Bühnentechnik
Ton- & Medientechnik
Raum- & Bauakustik

↓ Download PDF

Sanierung Tagungssaal

Im bestehenden Tagungssaal der Filiale der Deutschen Bundesbank in München gab es aufgrund des runden Grundriss und der großen Glasfassade Probleme im Bereich der Raumakustik.

Gleichzeitig sollte die Medien- und Konferenztechnik auf den neusten Stand gebracht werden.

Das Ziel der raumakustischen Maßnahmen besteht darin, gute Hörverhältnisse für die Zuhörer auf möglichst allen Plätzen, d.h. entsprechende Sprachverständlichkeits- und Klangverhältnisse zu erzielen.

 

Beschreibung des Saals im Bestand

Der Saal mit einer Grundfläche von ca. 330 m 2  und einem Volumen von ca. 1400 m 3 weist einen kreisrunden Grundriss auf, welcher durch zwei eingestellte Wände zum Foyer hin  und zur Pantryküche/Medienschrank hin abgetrennt wird. Die akustisch relevanten Materialien des Saals sind:

  • die Decke – im Bestand als abgehängte GK-Unterdecke Decke ohne akustisch wirksame Perforation, nur als Tieftonabsorber wirksam
  • die Bestuhlung – absorbierend im Mitteltonbereich, Wirkung jedoch abhängig von der Bestuhlungssituation
  • die Paravents – an einem Schienensystem per Seilzug-/Motorantrieb vor der Glas-Fassade ausfahrbar, im Bestand geringfügige Schallabsorption nur im Hochtonbereich.

Folgende Maßnahmen wurden zur Verbesserung der Akustik durchgeführt:

  • Anbringen eines Akustikputz an der Decke
  • Ausführung der Präsentationswand mit akustisch wirksamen Schlitzplatten
  • Ausführung der Trennwand zum Casino mit mikroperforierten Metallblech
  • Erneuerung der Stoffbespannung der Paravants (Sonnenschutz) mit Stoff mit höherem Strömungswiderstand.
  • Anbringen von Acrylglasreflektoren vor der Fassade zur Schalllenkung.

Im Bereich der Medientechnik wurden folgende Anlagen geplant und umgesetzt:

  • Tonregie
  • Beschallungsanlage:
    Eine akustisch adäquate Beschallung aufgrund der problematischen akustischen Verhältnisse konnte durch gezielt wirkende Lautsprecher erzielt werden. Die Lautsprecher wurden in die neue Medienwand integriert. 2 weitere Lautsprecher gleichen Typs können im Bedarfsfall zusätzlich neben der Medienwand aufgestellt werden. Die ursprüngliche Verortung der Lautsprecher hinter einer perforierten Rollbildleinwand konnte auch technischen Gründen letztendlich nicht realisiert werden.

Musiktauglichkeit erfahren die Lautsprechersysteme über zwei zusätzliche, ebenfalls in der Medienwand platzierte Subwoofer zur Tieftonerweiterung. Damit sind hinreichend laute Pegel und weite Frequenzgänge zu erzielen (> 95 dB), die auch laute Störgeräusche übertreffen und laute Musikbeschallung – jedoch keine Hard-Rock-Pegel –  ermöglichen.

 

Mobiles Audio Equipment

Der Saal erhält ein Rednerpult mit integrierter Verkabelung und Anschlüssen für Laptops, das Touchpanel für die Mediensteuerung, 2 schlanke Schwanenhals-Rednermikrofone und einer Manuskriptleuchte. Außerdem stehen 2 Funkmikrofone zur Verfügung.

 

Videotechnik

Die konzeptionellen Überlegungen zur Ausführung der Videobildwiedergabe für das zentrale Videobild haben drei mögliche Konzepte betrachtet:

  1. Array aus steglosen LCD/LED-Monitoren
  2. Bildwand aus LED-SMD-Modulen
  3. Video-Projektor im Deckeneinbau (mit Lift)

Die Untersuchungen unter Betrachtung von Streulicht, Bildauflösung, Helligkeit, Durchgängigkeit des Bildes, Kosten, Aufwand beim Generationenwechsel in ca. 5– 7 Jahren, Back-Up-Tauglichkeit etc. wurden erörtert.

Es wurden Videoprojektoren mit hoher Lichtstärke, jedoch auch betreibbar im ECO-Modus mit geringerer Helligkeit, verminderter Leistungsaufnahme und Wärmeabgabe sowie Lautstärke ausgewählt.

Die erzielbare Helligkeit und die Auflösung sind identisch mit einer LED-SMD-Wand, bei deutlich geringeren Kosten. Ein Backup kann durch einen weiteren, auf Hochstativ aufgestellten Projektor geschaffen werden, der lediglich bei kritischen Veranstaltungen angemietet und bereitgehalten werden sollte.

Insgesamt werden 3 Videobeamer in die Decke eingebaut. Somit ist eine Doppelprojektion rechts und links auf die Rollbildleinwände möglich oder eine große Projektion in der Mitte auf die Festbildwand.

Da die Beamer bei Nichtbenutzung nicht sichtbar sein sollen, sind diese mittels Beamerlifte in die abgehängte Decke einfahrbar. Aufgrund der aufwändig gestalteten Decke (Parabelfelder) ist bei den seitlichen Beamerliften, die Deckenleuchte in den abzufahrenden Deckenausschnitt zu integrieren gewesen.

Infrarot-System für Schwerhörige und optimales Dolmetschen

Im Rahmen der Vorgaben für barrierefreies Bauen ist die Unterstützung von Schwerhörigen durch technische Systeme eine gebotene Ausstattung. Übliche und geeignete technische Systeme hierfür sind:

  • Induktionsschleife mit direkter Übertragung in die T-Empfangsspule des Hörgeräts
  • Tonübertragung per Infrarot zum Empfangsgerät

Da der Einbau von Induktionsschleifen in den Bodenaufbau hier aufgrund des vorhandenen Parketts nicht möglich war, wurde ein Infrarot-System geplant.

 

Medientechnik- Steuerung

Bei der Steuerung bestand die Aufgabe diese in die bestehende Crestron-Steuerung des Hauses zu integrieren Die Steuerung stellt für den großen Teil der Geräte eine zentral zusammengefasste Parallelbedienung dar, das heißt: Die Geräte verfügen nach wie vor über ihre übliche Bedienelemente, sind aber zur komfortablen und synchronisierten Bedienung über die MT-Steuerung bedienbar. Diese fasst zudem mehrere zusammengehörige Bedienschritte für den Nutzer zusammen.

 

Referenten- und Podiumsbeleuchtung

Zur Ausleuchtung von Referenten, Vortragenden, Festrednern, Diskussionsrunden ist die üblicherweise per Deckendownlights hergestellte flächige Saalbeleuchtung nicht ideal: Sie erzeugt auf der Bildwand störendes Streulicht und erzeugt Schattenwurf auf dem Gesicht des Redners.

Personen mit Hörverlusten nutzen häufig – bewusst oder unbewusst – das Lippenlesen zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit. Diese sind auf eine geeignete Ausleuchtung des Gesichts ohne Schatten angewiesen.

 

Die Beleuchtung der möglichen Sprecherpositionen im Bereich vor der Bildwand

wurde auf ein zweigleisiges Konzept umgestellt:

  1. Standardnutzung/Vortrag ohne Projektion

Auflicht (Referent von vorne) über LED-Einbauspots (Downlights) entlang der Vorderkante Bühnenparabel. Kardanische Ausrichtungsmöglichkeit und definierte, enge Abstrahlung sorgen für die Ausleuchtung des Redners ohne Streulicht auf der Bildwand.

  1. TV-Nutzung/Vortrag während Projektion

Für das Auflicht (Referent von vorne) sind in der Technikdecke vor der Bühnenparabel vier Aufnahmen für kurze Beleuchterstangen vorgesehen.

Für beide Szenarien wird das Gegenlicht durch in die Hinterkante der Bühnenparabel integrierte Downlights erzeugt.